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HAErkules Projekthae-day

Mit HAE nach Costa Rica (2016)

Hallo aus Costa Rica (1. Bericht)

Ich bin Kathrin, 21 Jahre alt, und habe mich vor Kurzem auf den Weg nach Costa Rica gemacht. Dort werde ich für ungefähr zwei Monate mein Urlaubssemester verbringen. Ich habe zum Beispiel die Möglichkeit, Schildkröten zu retten oder die einheimischen Kinder zu unterrichten. Ich möchte aber auch vor Ort einige Ausflüge machen, herum reisen und die Menschen und die Kultur kennen lernen. Trotz HAE habe ich mich entschieden, nicht auf diese einmalige Erfahrung zu verzichten und möchte euch von meinen Erlebnissen erzählen. smiley



Aber jetzt erst einmal von vorne:
 
 
Bevor es überhaupt an Bord des Fliegers nach Costa Rica ging, gab es noch einiges zu organisieren. Vor allem das Packen war gar nicht so leicht. Was eine Aktion... wie Tetris! Ich habe einen großen Koffer und einen Wanderrucksack als Gepäck dabei, denn ich muss für den ganzen Aufenthalt meine HAE-Medikamente mitnehmen. Um das gut kalkulieren zu können, habe ich mich vorher mit meiner Behandlerin Frau Dr. Martinez besprochen und bin mit ihr alle Details genau durchgegangen. Gemeinsam haben wir dann folgenden Plan aufgestellt:



Um gut auf Attacken vorbereitet zu sein, habe ich für alle zwei Tage eine Ration meiner Medikamente dabei – und zusätzlich ein paar als Notfallreserve. Das macht bei 49 Tagen bei mir auch 49 Packungen, weil ich immer 1.000 IU brauche. Beim Zoll hat alles gut geklappt und ich musste nur einmal die Bescheinigung für die Medikamente zeigen.

In Costa Rica angekommen habe ich die erste Nacht mit drei anderen Mitreisenden bei einer Gastfamilie verbracht. Dann sind wir mit dem Bus vier Stunden nach Puerto Viejo gefahren, wo ich für zwei Wochen bleibe. Wir wohnen mit vielen anderen Deutschen zusammen in einer Unterkunft mitten im Dschungel und ich habe eine nette Mitbewohnerin, mit der ich auch zusammen einen Sprachkurs besuche und Ausflüge mache.



Das Klima ist sehr heiß und schwül, obwohl Regenzeit ist. Meine Medikamente versuche ich deshalb so kühl wie möglich zu lagern. Nachts ist hier ganz schön was los, es kommen Kakerlaken raus, Spinnen und Gekkos – aber das gehört eben dazu. Woran wir uns aber erst gewöhnen mussten: Wasser gibt es nur morgens und abends zwischen sechs und acht Uhr. Und auch nur dann, wenn es ausreichend geregnet hat und die Tonnen voll sind. Das ist gewöhnungsbedürftig, weil auch die Klospülung nur zu dieser Zeit funktioniert. smiley

Bis bald und liebe Grüße,
eure Kathrin
online seit: 27.06.2016

Hallo aus Costa Rica (2. Bericht)

Costa Rica ist einfach der Wahnsinn! Oh, Hallo erstmal.  Jetzt bin ich schon eine ganze Weile hier, die Zeit vergeht echt wie im Flug. Im Moment möchte ich noch gar nicht daran denken, dass ich bald schon wieder im Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen werde. Aber genug der Melancholie. Jetzt erzähle ich euch erst einmal, was ich hier in der letzten Zeit so alles erlebt habe!



Neulich habe ich eine Bootstour in Panama unternommen. Ich war schnorcheln und konnte Delfine, Schildkröten, Papageien und Faultiere in der freien Natur sehen. Eine einmalige Erfahrung, die ich sicher nicht so schnell wieder vergessen werde! Außerdem habe ich noch ein Wildlifeprojekt besucht. Dort werden schwache Tiere aufgepäppelt, die eine schlimme Vergangenheit hinter sich haben. Schaut mal, wen ich dort kennengelernt habe:



Niedlich, oder?   Apropos Tiere: Da hier gerade Winter ist und es auf der Pazifikseite daher keine Arbeit für uns „Schildkrötenretter“ gibt, musste ich mir eine andere Aufgabe suchen. Ich bin jetzt in ein Social Care Projekt involviert und arbeite zwei Wochen lang in einer Art Kindergarten bzw. Vorschule. Mit den Kids bin ich allerdings eher weniger zusammen. Bisher habe ich gemeinsam mit den anderen Volontären zum Beispiel ein kleines Häuschen gebaut (wer kann das schon von sich behaupten?! ) und eine Wand kunterbunt angemalt. Die Arbeit macht mir richtig Spaß, denn damit tut man nicht nur den Kindern etwas Gutes, sondern man entwickelt sich auch selbst weiter und erlebt ständig etwas Neues.



Was mein HAE betrifft, komme ich auch sehr gut klar. Attacken hatte ich bisher immer nur dann, wenn eine Anspannung etwas abgeflacht ist. So bin ich das aber bereits gewohnt. Trotzdem denke ich, dass auch das tropische Klima einen Einfluss auf meinen Körper hat. So entwickeln sich die Schwellungen schneller als zuhause, man muss noch frühzeitiger darauf reagieren und sie gehen dann auch etwas langsamer zurück.



Mit meinen HAE-Medikamenten klappt soweit aber alles prima. Wenn ich mich spritze, dann setze ich mich übrigens immer draußen auf die Veranda, da wir auf unseren Zimmern keine Tische haben. Am Anfang war mir das Ganze ja ein bisschen unangenehm, weil ich nicht wusste, wie die anderen reagieren. Dafür gibt es aber im Nachhinein überhaupt keinen Grund. Die Menschen hier sind allesamt super offen und viele fragen mich, warum ich das mache. Von HAE hat hier nämlich noch nie jemand etwas gehört. So gesehen betreibe ich also auch Aufklärungsarbeit.  Apropos Smalltalk: Obwohl ich einen Spanisch-Kurs besuche, verständige ich mich zurzeit noch viel mit Händen und Füßen. Das funktioniert aber auch wunderbar – gerade mit den kleinen Kindern in der Schule.



Bald ist noch eine kleine Rundreise zusammen mit den anderen Freiwilligen geplant. Ich bin gespannt und halte euch weiterhin auf dem Laufenden!
Liebe Grüße und adiós por ahora
eure Kathrin
online seit: 21.07.2016

Hallo aus Costa Rica (3. Bericht)

Hallo ihr Lieben! Ich hoffe, euch geht es gut in Deutschland  Mir geht es klasse und ich habe nach wie vor eine tolle Zeit in Costa Rica. Ich fühle mich schon richtig einheimisch und könnte ruhig noch etwas länger hier bleiben.



Was gibt‘s Neues bei mir? Mittlerweile arbeite ich in der Schule noch mehr mit den Kids zusammen, wobei man das wirklich nicht als Arbeit bezeichnen kann. Wir tanzen, malen, kneten und spielen viel miteinander und wenn der kleine Hunger kommt, helfen wir Volontäre gemeinsam bei der Essenszubereitung. Außerdem sind wir viel draußen am herumwerkeln, auch wenn es jetzt in der Regenzeit oft ziemlich matschig und schlammig ist. Neulich hatte eine andere Klasse ein Fußballspiel gegen die Nachbarstadt. Blöd nur, dass weit und breit kein Fußballfeld war, auf dem der Wettbewerb ausgetragen werden konnte – haha! Also mussten wir improvisieren und haben auf einer großen Wiese zwei Tore aufgestellt und mit Kreide Linien auf dem Gras gezogen. Das war eine ganz schöne Arbeit, aber die Kinder hatten dabei unglaublich viel Spaß und das war die Hauptsache!

Ich habe außerdem gelernt zu surfen, was gar nicht so leicht war! Wie ich mich angestellt habe, seht ihr hier im Video:
 




Mein Spanisch ist übrigens auch schon ein bisschen besser geworden. Wir haben vier Stunden Unterricht pro Tag, was schon manchmal etwas anstrengend ist. Da mit mir aber nur ein anderes Mädchen Unterricht hat, lernen wir sehr schnell und viel – fast wie im Einzelunterricht. Das ist übrigens unsere bunte Sprachschule:



Was mein HAE angeht, komme ich weiterhin sehr gut klar. Ich muss mich zwar etwas häufiger spritzen, aber die Medikamente wirken hier zum Glück genauso zuverlässig wie zu Hause. Ich bin neulich aber trotzdem einmal in eine nahe gelegene, etwas kleinere Klinik gefahren, weil  mir am Tag nach einer Attacke ziemlich übel war. Zuerst hatte ich ein wenig Bammel, dass die Spritze vielleicht nicht richtig gewirkt haben könnte. Am Ende hat sich dann aber herausgestellt, dass der Grund für die Übelkeit nicht HAE, sondern vermutlich nur eine kleine Magenverstimmung war. Trotzdem bin ich froh, in eine Klinik gegangen zu sein und würde es jederzeit wieder genauso machen. Im Zweifelsfall ist man so auf der sicheren Seite!

Übrigens kann man die „Klinik“, in der ich war, nicht wirklich mit einer Klinik in Deutschland vergleichen: Sie glich von außen eher einem Einfamilienhaus. Nichtsdestotrotz war sie gut ausgestattet und auch an der Hygiene gab es nichts zu beanstanden, es war alles sehr sauber und ich wurde dort rundum gut versorgt. Etwas weiter weg gibt es aber auch noch ein größeres Krankenhaus, in das man gehen kann.
Bald werde ich übrigens noch einige tolle Ausflüge machen. Ich freue mich jetzt schon RIESIG darauf!
Sonnige Grüße,
eure Kathrin
online seit: 02.08.2016

Adieu Costa Rica (4. Bericht)

Hallo ihr Lieben! So langsam neigt sich meine Zeit in Costa Rica dem Ende zu. Ich kann das ehrlich gesagt noch gar nicht richtig realisieren. Die letzten zwei Monate sind im Nachhinein betrachtet einfach unglaublich schnell vergangen. Auf der einen Seite bin ich ziemlich traurig darüber, dass ich dieses wunderbare Land schon wieder verlassen muss. Auf der anderen Seite freue ich mich natürlich aber auch darauf, meine Familie und Freunde bald wieder in meine Arme zu schließen und endlich wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen.

In den letzten Wochen habe ich so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, worüber ich zuerst berichten soll. Am besten fange ich mal von vorne an. Ich habe zusammen mit zwei anderen Volontären eine große Rundreise quer durch das Land gemacht und so unglaublich viel gesehen. Zuerst ging es mit dem Bus von Puerto Viejo nach San José, wo wir in einem tollen Hostel übernachtet haben. Am nächsten Tag sind wir dann etwa 1,5 h lang zum Poás gefahren, das ist ein riesiger Vulkan mit einer Höhe von ca. 2700 m. Ein wahrer Touristenmagnet! Dummerweise war es an dem Tag, an dem wir dort waren, jedoch ziemlich bewölkt und wir konnten fast nichts sehen. Zum Glück klarte der Himmel dann aber doch noch für einen kleinen Augenblick auf, wodurch wir wenigstens einen kurzen Blick auf den gigantischen Krater erhaschen konnten.

 

Anschließend sind wir weiter nach La Fortuna gefahren und haben einen Nationalpark am Fuße des Vulkans Arenal besucht. Dort haben wir in den heißen Quellen gebadet (stilecht mit Schlammmaske im Gesicht ), waren an einem großen Wasserfall und sind über Hängebrücken gelaufen. Das war ein toller Tag!



Eins meiner absoluten Reise-Highlights war jedoch eine Ziplining-Tour in Monteverde, unserem nächsten Zwischenstopp. Das kann man sich ungefähr so vorstellen wie eine Mischung aus Kletterpark und Seilbahn. Wir wurden allesamt an Stahlseilen befestigt und flogen wie Tarzan stundenlang durch den Urwald – Das hat SO Spaß gemacht! J Schaut euch mal meinen „Tarzansprung“ an. Ich sollte mich gerade hinstellen und schon wurde ich geschubst. Ganz schön frech, oder? Ich habe mich vielleicht  erschrocken...
 




Am nächsten Tag war ich zur Abwechslung mal ganz alleine unterwegs und habe ebenfalls in Monteverde eine super interessante Kaffeetour gemacht. Dort wurde man durch die Plantage geführt und bekam erklärt, wie Kaffee, Kakao und Zuckerrohrsaft hergestellt werden. Als ultimatives Sahnehäubchen durfte man im Anschluss die ganzen Sachen auch probieren – mmhh!



Über Puntarenas ging es mit den anderen dann weiter nach Jacó. Dort stand der Besuch des bekanntesten Nationalparks von Costa Rica auf unserem Programm. Wir hatten im Vorfeld sehr viel Positives darüber gehört aber leider waren wir von der Realität etwas enttäuscht. Der Eintritt war relativ teuer, man musste lange warten bevor man rein durfte und am Ende hatte man nicht wirklich viel gesehen. Naja, aber wir ließen uns dadurch nicht die gute Laune vermiesen und machten erstmal an einem kleinen Wasserfall eine spontane Wasserschlacht. smiley Oh, übrigens konnten wir dort am Strand auch wieder einige Tiere beobachten, wie ihr auf den Fotos sehen könnt. Ein paar Äffchen und Waschbären waren auf der Suche nach Essen und auf dem Rückweg entdeckten wir sogar ein Reh! Hättet ihr gewusst, dass das Reh das Nationaltier von Costa Rica ist? Ich war total überrascht, als ich das gehört habe.

 

 

Heute abend haben wir alle übrigens ein letztes Mal zusammen gekocht. Es gab Platanos und Yucas mit Reis und Bohnen, ein typisch costa-ricanisches Gericht. Wie ich das vermissen werde! Vielleicht kann ich das zuhause ja mal nachkochen. Apropos zuhause: Morgen geht mein Flieger zurück nach Deutschland. Was mein HAE angeht, musste ich mich zuletzt ungefähr alle zwei Tage spritzen. Auch wenn mich die Attacken natürlich in dem Moment, in dem sie kamen, etwas genervt haben, habe ich sie jedoch nie als große Belastung empfunden. Meine Medikamente funktionierten einfach genauso gut wie zuhause und dadurch war ich in keinster Weise eingeschränkt. Jetzt im Nachhinein muss ich sogar sagen, dass ich auch überhaupt nicht an mein HAE denke, wenn ich die letzten Wochen Revue passieren lasse. Ich habe so viele tolle neue Eindrücke gewonnen, dass die Attacken in meinen Erinnerungen fast nicht mehr präsent sind.



Puh, jetzt habe ich aber wirklich viel geschrieben, oder? Ich muss schon sagen, meine Reise nach Costa Rica war eine einzigartige, unvergessliche Erfahrung für mich und eine der schönsten Zeiten in meinem Leben! Es war unglaublich aufregend, ein anderes Land zu erkunden. Wenn ich noch einmal die Möglichkeit dazu hätte, würde ich jederzeit wieder auf solch eine Reise gehen. Und wer weiß, vielleicht habt ihr ja jetzt auch Lust bekommen, die Welt zu entdecken? Macht es doch einfach wie ich und sprecht mal mit eurem behandelnden Arzt. Wenn ihr die richtigen Vorbereitungen trefft, steht einer Reise sicher nichts im Wege – es muss ja auch nicht so weit weg wie Costa Rica sein...
smiley

Liebe Grüße,
eure Kathrin
online seit: 18.08.2016

HAErkules Projekthae-day

Letzte Aktualisierung am 25.09.2017
Mit freundlicher Unterstützung von:
CSL Behring, Shire und der Pharming Group NV
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