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FAQs - Frequently asked questions

Das hereditäre Angioödem: Fragen und Antworten beantwortet von

                 
Herrn PD. Dr. med. W. Kreuz Frau Dr. I. Martinez-Saguer
 

Zentrum für Kinderheilkunde,
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität,
Frankfurt/M.

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Zentrum für Kinderheilkunde,
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität,
Frankfurt/M.

 

1. Frage: Was ist das hereditäre Angioödem?

Das hereditäre Angioödem (HAE) ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, die autosomal dominant vererbt wird, jedoch auch als Neumutation auftreten kann. Verursacht wird HAE durch eine Veränderung des Gens auf dem Chromosom 11, wodurch weniger oder gar kein funktionsfähiger C1-Esterase- Inhibitor (C1-INH) gebildet wird.

Dieses Enzym steuert das Komplementsystem. Bei Fehlen des C1-INH kommt es zur Anhäufung von Bradykinin und dadurch zu episodisch auftretenden Ödemen im Bereich der Haut und der Schleimhäute. Betroffen sind häufig Gesicht, Hals, Arme, Beine und auch innere Organe. Besonders gefährlich sind Schwellungen im Bereich der Atemwege und des Darmes.

 

2. Frage: Können HAE-Attacken lebensbedrohlich sein?

Die Schwellungen sind besonders gefährlich, wenn sie im Bereich der Atemwege auftreten. Eine unbehandelte Schwellung im Bereich des Kehlkopfes oder der Luftröhre kann zum Ersticken des Patienten führen.

 

3. Frage: Wie ist die Symptomatik von HAE?

HAE-Patienten entwickeln in unregelmäßigen Abständen akut auftretende umschriebene Schwellungen (Angioödeme) an Haut und Schleimhäuten. Häufig sind Gesicht, Hals, Extremitäten, Abdomen, Genitale und Gesäß betroffen. Die subepidermalen Ödeme jucken nicht und sind nicht mit einer Urtikaria assoziiert.

Die meisten Patienten weisen neben den Hautschwellungen auch die so genannte gastrointestinale Symptomatik auf. Sie entsteht durch ein Ödem der Darmwand und geht mit krampfartigen Schmerzen einher, die oft mit Übelkeit, Erbrechen und Diarrhöen verbunden sind. Auch ein Ileus kann entstehen.

Als auslösende Faktoren kommen physischer und psychischer Stress, kleine Traumen, Verletzungen, virale und bakterielle Infektionen, Änderungen des Hormonhaushaltes (östrogenhaltige Kontrazeptiva, Schwangerschaft) sowie Medikamente und bestimmte Nahrungsmittel in Frage.

 

4. Frage: Wie wird HAE diagnostiziert?

Die Messung der C1-Esterase-Inhibitor-Aktivität (Funktion) und der C1-INHKonzentration (Protein) kann die Verdachtsdiagnose HAE eindeutig bestätigen: Der Spiegel dieses Enzyms ist erniedrigt. C4-Komplement sollte ebenfalls bestimmt werden, da auch der C4-Spiegel bei nahezu allen HAE-Patienten vermindert ist.

 

5. Frage: Wie wird HAE therapiert?

Akut behandlungsbedürftig sind Glottis-, Hals- und Gesichtsödeme sowie Schwellungsattacken im Magen-Darmbereich. Im Notfall ist die Therapie der Wahl eine intravenöse Substitution mit C1-INH-Konzentrat in einer Dosierung von 10-30 IE/kg KG (bei Kindern ca. 500-1.000 IE, bei Erwachsenen 1.000-2.000 IE). Die Wirkung tritt ca. 20-30 Minuten nach intravenöser C1-INH-Konzentrat-Gabe ein. Die Symptome bilden sich bei frühzeitiger Substitutionstherapie innerhalb von wenigen Stunden zurück. C1-INH-Konzentrat sollte vor geplanten Eingriffen im Mund- und Rachenbereich (Zahnbehandlungen, HNO-Eingriffe, generell bei Intubationsnarkosen und diagnostischen Maßnahmen wie einer Magen- oder Darmspiegelung etc.) verabreicht werden, um Schwellungen vorzubeugen. Das Konzentrat wird dann ca. 1 - 1,5 Stunden vor dem Eingriff injiziert.

Seit Herbst 2008 steht mit einem Bradykinin-Rezeptor-Antagonisten einer weitere Therapiemöglichkeit der akuten Attacke zur Verfügung. Dieses Arzneimittel stoppt die Schwellung, in dem es die Wirkung des erhöhten Bradykinin-Spiegels blockiert.

Zur Langzeitprophylaxe werden bei Erwachsenen attenuierte Androgenderivate (z.B. Danazol) eingesetzt. Sie stimulieren die C1-INH-Synthese. Unter dieser Therapie kommt es allerdings häufig zu Nebenwirkungen. Beobachtet werden beispielsweise Leberschäden, Leberadenome, Kopfschmerzen, Hypertonie, behandlungsbedürftige Depressionen, Gewichtszunahme, Libidoverlust und bei Frauen tiefe Stimme, Bartwuchs, Amenorrhoe und Akne. Der Einsatz von Danazol im Kindesund Jugendalter sowie in der Schwangerschaft ist kontraindiziert. Bei diesen Patienten kommt alternativ eine Langzeittherapie mit C1-INH-Konzentrat in Frage, die wir aber auf Grund der häufigen Nebenwirkungen der Androgentherapie auch bei 75% unserer erwachsenen Patienten bei akuten Schwellungsattacken durchführen.

Sonderdruck aus "Der niedergelassene Arzt“, 11/2004

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Prof. Dr. med. Konrad Bork
 

Dermatologische Klinik
der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz

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Prof. Dr. med. Konrad Bork

1. Frage: Was genau ist ein hereditäres Angioödem (HAE) und wodurch wird es verursacht?

HAE ist eine seltene, aber schwere Erkrankung, die autosomal dominant vererbt wird. Gekennzeichnet ist die Krankheit durch episodische Ödeme beziehungsweise Schwellungen der Haut, des Magen-Darm-Trakts und, seltener, der Luftwege. Besonders gefährlich sind Schwellungen im Kehlkopfbereich, im Extremfall können sie zum Erstickungstod führen. Das HAE tritt entweder durch einen genetischen Mangel an C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH) auf, und zwar in zwei Formen. Bei der er ersten und häufigsten Form (ca. 85% der Patienten) handelt es sich um einen Synthesedefekt des C1-INH, der quantitativ stark vermindert vorliegt. Die zweite Form (ca. 15% der Patienten) beruht auf einer funktionellen Insuffizienz, einem Aktivitätsmangel des C1-INH, der aber in normaler oder sogar erhöhter Menge vorliegt. Oder das HAE tritt bei Patienten auf, in deren Plasma sich eine normale Aktivität des C1-INH findet (HAE III).
Die klinischen Symptome des HAE beginnen meist im zweiten, oft auch bereits im ersten Lebensjahrzehnt. Bei einigen Frauen ist die Einnahme östrogenhaltiger oraler Antikonzeptiva der Auslöser für die ersten klinischen Symptome der Krankheit.

 

2. Frage: Worin bestehen und wie lange dauern die akuten Symptome?

Die Hauptsymptome des HAE bestehen in unregelmäßig auftretenden, nicht vorhersagbaren Hautschwellungen der Gliedmaßen und des Gesichts sowie in krampfartigen, wiederkehrenden Schmerzattacken des Abdomens. Larynxödeme sind selten, aber immer lebensbedrohlich. Die Schwellungen der Haut sind fast nie mit Juckreiz, sondern mit schmerzhaftem Spannungsgefühl verbunden. Sie bestehen durchschnittlich zwei bis vier Tage (ein bis sieben Tage).

Die meisten Patienten weisen außer den Hautschwellungen auch eine gastrointestinale Symptomatik auf, wobei krampfartige Schmerzen bestehen, die oft mit Übelkeit, Erbrechen Diarrhöen und Kreislaufschwäche verbunden sind. Auch die Bauchattacken dauern zumeist zwei bis sieben Tage.
Larynxödeme treten spontan auf oder folgen manchmal einer Traumatisierung der Mundschleimhaut bzw. des Pharynx, insbesondere nach Zahnoperationen oder einer Tonsillektomie. Das Larynxödem beginnt mit Schluckbeschwerden, Stimmveränderungen und Heiserkeit, ehe es zur Atemnot kommt. Liegt ein C1-INH-Mangel vor, so ist bei Beginn eines Larynxödems die sofortige Gabe eines C1-Esterase-Inhibitor-Konzentrats (Berinert P) oder von Icatibant, einem Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonisten (Firazyr), die Therapie der Wahl. Abhängig davon, wie weit das Larynxödem fortgeschritten ist, sind ggf. weitere Maßnahmen zum Offenhalten der Atemwege erforderlich (Intubation oder notfalls Koniotomie bzw. Tracheotomie).

 

3. Frage: Wodurch wird eine HAE-Attacke ausgelöst?

Die Attacken treten oft ohne erkennbare äußere Ursachen auf, vielfach aber auch nach bestimmten Auslösern. Hierzu gehören Druck, Stoß und Operationen. Außerdem werden von Patienten psychische Stresssituationen und Infektionen als Trigger angegeben. Eine HAE-Attacke kann auch hormonelle Ursachen haben: Nicht wenige Frauen bemerken eine Auslösung akuter HAE-Schübe durch die Menstruation. Die Benutzung östrogenhaltiger oraler Anti-konzeptiva und eine Schwangerschaft führen bei vielen aber nicht bei allen Frauen zu häufigeren und stärkeren Ödemattacken.

 

4. Frage: Welche Parameter sollte die Labordiagnostik bei klinischem Verdacht umfassen?

Bei klinischem Verdacht sollte die Labordiagnostik die C1-INH-Konzentration, C1-INH-Aktivität, C4 und CH50 umfassen. Die Plasmakonzentration des C1-INH liegt bei gesunden Personen zwischen 15 und 35 mg/dl. Der Aktivitätsmangel und (beim Typ 1) der Konzentrationsmangel ist immer nachweisbar, auch im Intervall zwischen den akuten Symptomen.

 

5. Frage: Wie wird das hereditäre Angioödem behandelt?

Die Betreuung von HAE-Patienten ist langwierig und oft diffizil sowie auch (wegen der Lebensgefährdung durch Larynxödeme) verantwortungsvoll. Daher sollten diese Patienten nach Möglichkeit in einer speziell ausgerichteten Angioödem-Sprechstunde mitbetreut werden.
Zur Behandlung akuter Ödemattacken stehen ein intravenös verabreichtes C1-INH-Konzentrat (Berinert P) und das subkutan applizierbare Icatibant, ein Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonist, (Firazyr) zur Verfügung. Beides ist hoch wirksam, vor allem bei Einsatz frühzeitig in der Ödemattacke. Erforderlich ist die Anwendung in allen Stadien des Larynxödems sowie bei Gesichtsschwellungen (wegen der möglichen Weiterentwicklung zu einem Larynxödem). Sinnvoll ist er ferner bei schweren und moderaten Bauchattacken sowie ggf. bei schweren und behindernden Hautschwellungen.
Als Langzeit-Prophylaxe werden attenuierte Androgene wie Danazol, Stanozolol und Oxandrolon eingesetzt. Diese Therapie ist zwar bei den meisten Patienten sehr wirksam, ist jedoch belastet durch mögliche unerwünschte Wirkungen, so dass ihr Einsatz limitiert ist und bei jedem Patienten individuell abgewogen werden muss. Eine regelmäßige Überwachung mit Kontrolle verschiedener Laborwerte ist während der Therapie erforderlich. Weitere Therapieoptionen sind vorhanden.

Weitere Informationen zum Thema im Internet unter www.angiooedema.de
Sonderdruck aus Haut“, Heft 4, Juni 2005, überarbeitet und aktualisiert am 2.4.2009

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Letzte Aktualisierung am 12.10.2016
Mit freundlicher Unterstützung von:
CSL Behring, Shire und der Pharming Group NV
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